Mantrailing: Immer der Nase nach

Allgemein

Mantrailing setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen „man“ und „trailing“, also „Mensch“ und „Spur“. Beim Hundesport „Mantrailing“ folgt der Hund der Geruchspur einer bestimmten Person  (im weiteren Verlauf VP = Versteckperson genannt) und führt seinen menschlichen Partner zu genau dieser Person.

Basis für erfolgreiches Mantrailing

Dass Hunde riechen können, braucht in den meisten Fällen nicht extra erlernt zu werden. Der Gebrauch der Nase sowie das Verfolgen einer Spur entsprechen dem Wesen des Hundes. Manchmal sehr zu unserem Leidwesen, wenn sie z.B. Wildtieren in freier Natur nachgehen oder wenn Rüden die Spur einer läufigen Hündin aufnehmen.

Beim Mantrailing müssen die Hunde als erstes lernen, dass sie nur einer einzigen Geruchspur folgen sollen. Und zwar sollen sie genau dieser einen Spur folgen, die zu dem Geruchartikel passt, welcher ihnen beim Start präsentiert wird. [Verweis auf Foto mit Bildunterschrift: Der Hund riecht an dem auf dem Boden liegenden Geruchartikel, in diesem Fall ein verlorener Handschuh.] Der Geruchartikel ist das Bindeglied zur Spur der VP. Für Anfängerhunde eignen sich getragene T-Shirts, die intensiv riechen. Fortgeschrittenen Hunden genügt z.B. ein Handabdruck der VP auf dem Boden.

In diesem Beitrag betrachten wir das Thema „Geruchsdifferenzierung“ genauer. Mit verschiedenen Übungen wird überprüft, ob der Hund die Aufgabe verstanden hat, genau dieser einen Spur zu folgen die zu dem Geruchartikel passt. Dies bedarf natürlich vieler Wiederholungen mit verschiedenen VPs. Mit der Menge an gearbeiteten Trails lernt der Hund zudem, seine Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer im Suchen zu steigern.

Mantrailing versus Pettrailing

Hat der Hund die Aufgabe erfasst, kann er jeglicher Spur folgen, d.h. egal ob Mensch oder Tier. Jedoch verhalten sich z.B. entlaufene Hunde in Panik nicht wie Menschen, die gesucht werden sollen. Menschen rennen in der Regel nicht zick-zack über die Wiesen oder kriechen durchs Unterholz. Das heißt, die Tiersuche ist eine komplexe, eigenständige Sparte des Trailens.

Der Start

Der Hund beginnt seine Arbeit in der vermuteten Nähe der Spur der VP. Bei seinem durchaus individuellen Startritual riecht der Hund an einem Geruchartikel. Und damit geht die Suche los. Die Aufgabe lautet: Wenn Du eine passende Spur zu dem Geruchartikel findest, folge dieser solange bis sie endet.

Einflüsse auf dem Trail

Unglaublich viele Faktoren beeinflussen die Geruchsspur:

  • Die Wetterlage: Sonne, Regen, Wind, Nebel, Schnee
  • Die Umgebung: Wald, Feld, Wohngebiet, Gebäude, Bahnhof
  • Der Untergrund: nass, trocken, Wald, Wiese, Schotter, Asphalt

Hinzu kommen diverse Schwierigkeiten auf dem Trail, z.B.

  • große Kreuzungen mit Fußgängern, Radfahrern oder Autos und Ampeln,
  • Untergrundwechsel von Wiese auf Asphalt über Schotter,
  • wildreiches Gebiet mit Spuren von Hasen oder Rehen,
  • frequentiertes Gebiet mit vielen oder wenigen Menschen,
  • aber auch das Alter der Spur.

Schnell wird deutlich, dass kein Trail einem anderen gleicht, da die Umgebungsbedingungen sich schon allein aufgrund der Zeit verändern. Genau dies macht jedoch den Reiz des Mantrailing aus. An nahezu jedem Ort lässt sich für das Mensch-Hunde-Team die individuelle Aufgabe stellen, welches das Team fordert und fördert. Im Training kommt der Hund in der Regel zum Erfolg, er wird belohnt und es wird sich richtig, richtig gemeinsam gefreut, d.h. es ist eine durchweg positive Erfahrung für den Hund.

Aufgabe für Hund und Mensch

Ganz wichtig für den Erfolg einer Suche ist, dass auch der Mensch lernt, seinem suchenden Hund zu vertrauen und sich von ihm führen zu lassen. Übungen zur Geruchsdifferenzierung sind daher für beide Teile des Teams elementar. Indem der Hund die richtige VP anzeigt, erlebt sein Mensch, dass der Hund es richtig gelernt hat und das Vertrauen in den Hund wächst. Ob eine Suche erfolgreich ist, hängt also mindestens zur Hälfte von der Führung durch den Menschen ab.

Neben den schon beschriebenen Umwelteinflüssen, die den Hund von der Spur ablenken können, entscheidet dieser während der Suche ständig, ob noch Duft der VP vorhanden ist oder nicht.

Übungen zur Geruchsdifferenzierung

Wenn die Übungen durchgeführt werden, ist es vorab wichtig zu wissen, ob der Hund die VP bereits einmal gesucht hat oder nicht. War diese in der Vergangenheit mindestens einmal VP, hat der Hund den Geruch dieser Person bereits als potenzielles Suchmuster gespeichert.

Grundsätzlich sind bei Übungen zur Geruchsdifferenzierung wenigstens zwei Personen beteiligt. Einmal natürlich die VP und dann wenigstens noch eine weitere Person, die als Verleitung für den Hund dient.

Eine Grundübung beschreibt Abbildung 1. Zwei  Personen gehen am Startpunkt gemeinsam los und trennen sich an einer Stelle, indem beide jeweils in entgegengesetzte Richtung laufen. Dies nennt sich „Splitting“, da sich die Spur teilt und der Hund an dieser Stelle eine Richtungs-Entscheidung treffen muss. Als Szenario empfiehlt sich, wenn die VP noch nie von dem Hund gesucht wurde und die Verleitperson bereits in seinem Repertoire als VP gespeichert ist.

Eine weitere Übung (Abbildung 2) veranschaulicht, dass sich die Wege der beiden Spuren kreuzen. Allerdings befinden sich die VP und die Verleitperson in größerem Abstand zueinander und beide sind für den Hund nicht sichtbar.

Lösbare Aufgaben stellen

Um es dem Hund – und auch dem Hundeführer – nicht unnötig schwer zu machen, werden diese Übungen zunächst in Gebieten durchgeführt, welche nicht stark kontaminiert sind. Das heißt, in Umgebungen in denen täglich nur wenige Menschen unterwegs sind. Krasses Gegenbeispiel wäre, den Hund durch den Münchener Hauptbahnhof arbeiten zu lassen. Aufgrund der Menschenmassen, die dort täglich unterwegs sind, wird deutlich, dass der Ort, eine ganz wesentliche Rolle für den Sucherfolg spielt.

Kombinationen

Es lassen sich also folgende Komponenten kombinieren:

  1. unbekannte VP und wenigstens eine bekannte Verleitperson
  2. bekannte VP und bekannte Verleitpersonen
  3. bekannte VP sowie bekannte familiäre Verleitpersonen der VP

sowie in

  1. wenig frequentiertem Gebiet wie z.B. Wald
  2. mässig frequentiertem Gebiet wie z.B. Wohngebiete, Gewerbegebiete
  3. hoch frequentiertem Gebiet wie z.B. Innenstadt, Bahnhof, Einkaufscenter,

Schwierigkeiten steigern

Als nächste Herausforderung kann die Verleitperson neben der VP oder direkt auf dem Trail platziert werden. Abbildungen 3 und 4 veranschaulichen das Szenario.

Gut trainierte Hunde sind in der Lage, sich durch Bahnhöfe, Flughäfen, Einkaufsgalerien etc. zu arbeiten und lernen, auch in einer Menschenmenge die richtige VP anzuzeigen. Dabei nicht alle bekannte oder auch unbekannte Personen zu überprüfen sondern die Spur zu halten, ist eine Meisterleistung. Je kontaminierter an menschlichem Geruch das Gebiet ist, durch welchen der Trail läuft, desto konzentrierter muss nicht nur der Hund sondern auch der Hundeführer arbeiten. Mantrailing ist Teamarbeit pur. Zwar führt der Hund, sein Mensch muss jedoch die Körpersprache des Hundes richtig interpretieren, für seine Sicherheit sorgen und ihm vor allem vertrauen und damit die Führung überlassen.

Am schönsten ist es für mich als Trainerin mitzuerleben, wie der menschliche Partner über seinen tierischen Begleiter ins Stauen gerät und sich mega freut, zu welcher Leistung sein Hund in der Lage ist. Belohnt wird die erfolgreiche Suche im Training mit  ausgiebigem Lob und Leckerli, eventuell auch mit Streicheleinheiten und vielleicht noch mit gemeinsamem Spiel.

Faszination Mantrailing

Das besondere beim Mantrailing ist, dass sich der Hund zwar auf Kommando – z. B. riech und trail – auf die Suche nach der Spur macht, dann aber die Führung wechselt: Der Hund zeigt seinem Menschen wo es langgeht. Die Begeisterung über das erfolgreiche abarbeiten eines Trails ist bei allen Beteiligten groß.

Arbeitet das Mensch-Hunde-Team auf Trails mit vielen unterschiedlichen Spuren, kann der Hund auf kürzester Strecke zufrieden müde gemacht werden. Das Bedürfnis des Hundes – der Verfolgung einer Spur – wird gemeinsam mit dem menschlichen Partner ausgeübt. Es kommt nie Langeweile auf. Und wenn als Schlussübung der Hund nur 50 Meter arbeiten und dabei noch ein Familienmitglied suchen darf, ist der freie Abend für den Menschen vorprogrammiert.

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